Hexies-Blick # 5: Rekalem

gepostet am 19.06.2020

Heute habe ich meinem Frauchen auf Erden noch einmal eine Geschichte abgeluchst.

 

Viel Freude beim Lesen!

Eure Hexie



"Immer dem Wind nach"
(Rekalem)

 

Es war einmal vor langer, langer Zeit ...

Es ist schon so lange her, dass heute niemand mehr glaubt, dass sie wirklich gelebt haben – aber es hat sie gegeben.

 Sie lebten in einem Land inmitten der Safranberge, dort wo sich im Winter schwer der Schnee auf die Gipfel legte, der die Zweige der Bäume in allen Farben glitzern ließ, wenn sich die Sonne in den weißen Kristallen spiegelte. Dort, wo im Frühling satt die Spitzen der Blätter austrieben, wo im Sommer die Weiden mit den herrlichsten Blumen geschmückt waren und das Gras sich kräftig vom Himmel abhob. Dort, wo im Herbst die Stürme das Land peitschten und wieder auf den Winterschlaf der Erde vorbereiteten. Und dann kam wieder der Schnee ...

So liebte Swingy ihr Land, in dem sie groß geworden war, wo sie sich viele Stunden tragen ließ vom Wind, die Freiheit spürte und ihren Träumen nachhing. Swingy war ein Drachenmädchen, ein ziemlich lustiges dazu, und sie gehörte zum Clan der Glücksdrachen. Ihr Schuppenpanzer war eigentlich aus glänzendem Schwarz doch wenn sie sich freute, glitzerte alles golden. Das war sehr praktisch, denn wenn die Glücksdrachen traurig waren, was sehr selten vorkam, konnten sie sich in den dunklen Wäldern verstecken und wurden von den Verwandten und Freunden nicht gestört, denn auch ein Glücksdrache möchte, gerade wenn er traurig ist, Zeit für sich selbst haben.

Swingy war fast nie in den dunklen Wäldern anzutreffen und wenn sie sich nicht bei ihrer Familie nützlich machte oder ihre Arbeit verrichtete, war ihre goldene Silhouette am Himmel zusehen, immer dem Wind nach. Wenn Swingy so durch die Lüfte getragen wurde, dachte sie nach und fragte sich, weshalb eigentlich immer dem Wind nach und sie versuchte, gegen den Wind zu fliegen, nur so zum Spaß und sie wurde darin immer geschickter. So entstand in ihr der Gedanke, dass da noch mehr sein könnte als golden durch die Lüfte zu schweben, vielleicht noch andere Farben und vielleicht noch etwas mehr Glück.

Das war damals, als ihre Geschwister Reinanz und Issiki im Königreich Rekalem tätig waren, um dort Unglaubliches zu versuchen. Zum ersten mal in der Geschichte der Glücksdrachen versuchten Reinanz und Issiki mit einem Schattendrachen gemeinsam Geschäfte zu machen. Schattendrachen hatten einen Ruf als gewitzte Redner, die gute Projekte zu Wege brachten, aber nicht umsonst hießen sie Schattendrachen, denn wer auch immer zu viel Zeit mit ihnen verbrachte, über den legte sich nach geraumer Zeit ein grauer Schatten über den Schuppenpanzer. Ertsch war also so ein Schattendrache und Reinanz und Issiki machten mit ihm Geschäfte.

Es lief hervorragend und weil sie wußten, dass Swingy es verstand zu organisieren und sie obendrein fleißig war, schickten sie eine Kullerbotschaft zu Swingy, um sie nach Rekalem zu holen. Als die Botschaft bei Swingy angekullert kam, flog sie mit goldglänzendem Panzer zu ihren Geschwistern und war fleißig. Doch auch war sie verwundert, denn sie hatte noch nie zuvor davon gehört, dass jemand so oft mit einem Schattendrachen gesehen worden war – und daher war sie vorsichtig.
Was es da in Rekalem alles zu sehen und zu lernen gab. Viele Arten von anderen Drachen und mit einem Ostwinddrachen schloß sie sogar Freundschaft.

So gingen die Jahre ins Land und niemand dachte mehr an das alte Märchen vom Schatten, die Arbeit war ausrechend vorhanden und gut. Sie hatten viel zu lachen und sich so manche Geschichte zu erzählen. Nur Zeit zum Fliegen fand Swingy immer seltener und schon gar nicht Zeit, ihre Fertigkeiten „gegen den Wind“ zu verbessern. Auch gab es in Rekalem keine dunklen Wälder, in die sich Swingy hätte zurückziehen können, wenn sie allein sein wollte, nur eine kleine Baumgruppe, die sie ab und an aufsuchte.

Eines Abends, als sie sich unter die Bäume geduckt hatte, um allein zu sein, kamen zwei Ranauben des Weges, fest in ihr schnatterndes Gespräch vertieft. Swingy wollte nicht lauschen, doch sie wollte auch nicht gesehen werden, die Augenblicke, die sie für sich hatte, waren zu kostbar. So duckte sie sich noch tiefer ins Gebüsch und hörte:
... und die Sache mit dem Schattendrachen ist mir noch immer nicht geheuer, grup.
 Mir auch nicht. Und hast Du schon bemerkt, dass die Glücksdrachen immer seltener fliegen, ich habe sie bestimmt einen Mond nicht mehr fliegen sehen, grup.

 Doch, doch, grup, grup, die Kleine sah ich gestern Richtung Berge fliegen, aber ich hätte sie fast nicht erkannt, grup, denn nur die Schwanzspitze schimmerte noch ein wenig golden ...

Weg waren sie und Swingy war wieder allein. War nicht sie gestern Richtung Berge geflogen? Sie drehte ihren hübschen Kopf - sehr langsam drehte sie ihren Kopf - und schaute auf ihren Rücken, der doch hätte golden sein müssen, weil sie – so glaubte sie – in Rekalem glücklich war.
Die Ranauben hatten recht, nur noch die letze Spitze ihren Schwanzes war jetzt golden, der Rest nicht mal schwarz, nur noch grau und fahl. Swingy war verzweifelt, wie sollte sie jetzt ihren Gefühlen Ausdruck geben, wie ihren Freunden mitteilen, wie sie sich fühlte. Und weshalb hatte sie nichts bemerkt, weshalb hatten Reinanz und Issiki sie nicht darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihre Gefühle nicht mehr erkennen konnten.

Sie beeilte sich, so sehr sie konnte, um ihre Geschwister aufzusuchen und sie war so verwirrt, dass sie sogar das fliegen vergaß. Sie rannte und rannte, vergaß die schmerzenden Füße, vergaß alles um sich herum, sie wollte nur noch den Trost ihrer Familie. Atemlos sah sie ihre Geschwister schon von der Ferne. Sie wollte rufen, um Hilfe bitten, sich an ihren Panzern reiben, doch schon von der Ferne sah sie, dass Reinanz und Issiki weder golden noch schwarz sondern genauso fahl und grau waren, wie sie selbst. Nicht einmal das Schwanzspitzchen hob sich noch ab.
Sie hatten zu lange Zeit mit Ertsch verbracht, der sein Unheil nicht einmal erkennen konnte, denn er war eben ein Schattendrache.


Epilog

Was aus Ertsch geworden ist?

Er wird immer ein Schattendrache bleiben, weiterhin gewitze Geschäfte machen und wer zu lange mit ihm zusammen ist, über den kommt der Schatten.

Reinanz hat eine liebe Frau, eine Glücksdrachenfrau und ein Glückdrachenkind und er war klug genug, sein Gold wieder zu finden.

Issiki reist mit einem Alpendrachen um die Welt und auch sie schimmert wieder.

Und Swingy?
Wir wissen es nicht. Doch auch sie wird ihr Gold wiederfinden, denn dazu hat sie hat zu reines Glücksdrachenblut. Und dann fliegt sie wieder:

„Immer dem Wind nach und manchmal dagegen.“

 

Autor: Angélique Behrens


Ihr Lieben!

 

Ich vermute, dass diese Geschichte sehr viel Symbolik enthält und man sagt sich, manches davon ist wahr.

 

Ich hoffe, ihr hattet Freude beim Lesen.

Bis bald.

 

Eure Hexie



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